Hey Leute,
ich schreibe hier zum ersten Mal, deshalb entschuldigt bitte schon mal den langen Text.
Ich bin 22 Jahre alt und studiere aktuell im 6. Semester Wirtschaftsingenieurwesen Bau. Eigentlich fehlen nur noch das Praxisprojekt und die Bachelorarbeit. Das Problem ist nur: Ich habe mittlerweile über 300 Bewerbungen für das Praxisprojekt geschrieben und bisher nur Absagen bekommen.
Aber ehrlich gesagt ist das gar nicht der eigentliche Punkt.
Schon seit meiner Schulzeit begleitet mich der Gedanke, Medizin zu studieren. Gleichzeitig hatte ich immer viele Interessen – Jura, Psychologie, sogar Fluglotse. Während meines Abiturs habe ich mich damals nicht wirklich auf ein klares Ziel fokussiert. Ich hatte am Ende einen Schnitt von 2,0, mir hat tatsächlich ein einziger Punkt für die 1,9 gefehlt.
Damals dachte ich direkt: „Mit dem Schnitt brauche ich Medizin gar nicht erst versuchen.“ Also habe ich mich relativ spontan für Wirtschaftsingenieurwesen entschieden und das Studium einfach durchgezogen. Ich bin jemand, der Dinge beendet, auch wenn sie keinen Spaß machen. Ich habe mir immer eingeredet: „Das Studium ist nur eine Phase, später wird es besser.“
Heute, drei Jahre später, merke ich aber, dass ich mir damit vielleicht etwas vorgemacht habe.
Der Gedanke an Medizin ist nie verschwunden. Vor einem Jahr kam das Thema schon einmal hoch, aber ich habe es verdrängt, weil mich die lange Ausbildungszeit abgeschreckt hat. Jetzt bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich merke: Wenn ich es nicht wenigstens versuche, werde ich es wahrscheinlich mein Leben lang bereuen.
Deshalb habe ich mich vor einer Woche dazu entschieden, den TMS Ende des Jahres zu machen. Seitdem lerne ich jeden Tag dafür, arbeite Aufgaben durch und lese mich freiwillig in medizinische Themen ein. Zum ersten Mal seit langer Zeit habe ich wieder das Gefühl, wirklich für etwas zu arbeiten, das ich unbedingt will.
Trotzdem habe ich unglaublich viele Ängste und offene Fragen.
Meine Familie weiß davon noch nichts. Meine Eltern würden wahrscheinlich erst mal einen halben Herzinfarkt bekommen, wenn ich plötzlich sage, dass ich vielleicht einen komplett anderen Weg einschlagen möchte. Vor allem auch wegen der finanziellen Situation.
Ich habe bisher BAföG bekommen, meine Eltern sind nicht reich und wir sind finanziell nicht super aufgestellt. Es hat mit BAföG gerade so funktioniert. Deshalb frage ich mich die ganze Zeit:
Wie soll ich mir ein Medizinstudium überhaupt leisten?
Wie funktioniert das ohne BAföG?
Kann man neben dem Studium arbeiten?
Wie schaffen das andere?
Ich habe gerade das Gefühl, komplett bei null anzufangen und überhaupt keinen Überblick zu haben.
Gleichzeitig merke ich aber auch, dass mich dieses Ziel zum ersten Mal seit langer Zeit wirklich motiviert. Ich bin bereit, viel dafür zu investieren. In der Schule war ich nie schlecht, manche Fächer lagen mir einfach nicht. In meinen Leistungskursen hatte ich meistens 13 Punkte oder mehr. Und aktuell fühlt sich der TMS wie ein Ziel an, auf das ich wirklich hinarbeiten will.
Deshalb wollte ich einfach mal fragen:
Hat jemand vielleicht einen ähnlichen Weg hinter sich?
Wie hart ist das Medizinstudium wirklich?
Wie habt ihr das finanziell geregelt?
Und wie würdet ihr so ein Gespräch mit den Eltern angehen?
Ich würde mich ehrlich über jede Meinung freuen.